Historische Hotels haben mich schon immer fasziniert.
Im letzten Beitrag erzählte ich von meinem Vorsatz, einer „Perlenkette guter Tage“ jeden Monat einen besonderen Klunker – ein spezielles Erlebnis – hinzuzufügen.

Und hier ist er: mein Märzklunker. 🙂
Eine Freundin und ich reisten mit Postauto, SBB und der Rhätischen Bahn nach Bergün.

Bergün, auf Romanisch Bravuogn, liegt im Albulatal an der Albulapassstrasse und an der Albulalinie der Rhätischen Bahn. Die Rhätische Bahn AG (RhB) ist ein Schweizer Eisenbahnverkehrsunternehmen. Ihr Streckennetz liegt überwiegend im Kanton Graubünden. Der Name geht auf die frühere römische Provinz Raetia zurück. Der 1806 gebildete Kanton Graubünden entstand ursprünglich als Rätien.

Die RhB verfügt über ein meterspuriges Schmalspurnetz mit einer Länge von 384 Kilometern, das in Disentis/Mustér an das ebenfalls meterspurige Netz der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) anschliesst, das auch ins Goms führt, dorthin wo sich mein Chalet im Wallis befindet.

Pechristener: File:Switzerland location map.svg: NordNordWest
Wir fuhren ein Stück auf der berühmten Albulastrecke, die Thusis am Hinterrhein mit St. Moritz im Engadin verbindet. Die 61,67 Kilometer lange Strecke mit ihren 144 Brücken sowie 42 Tunnels und Galerien gehört zu den spektakulärsten Schmalspurbahnen der Welt.

Die Strecke zwischen Bergün und Preda windet sich durch mehrere Kehrtunnels den Hang hinauf. Von meinem Hotelzimmer aus konnte ich denselben Zug gleich dreimal sehen, während er sich in weiten Schleifen den Berg hinaufkurvte.

In Bergün besuchten wir das Bahnmuseum Albula – ein Muss für Fans von Modelleisenbahnen.

Das Eintrittsticket war ein klassisches Billett, wie ich es noch aus meiner Kindheit kenne.

Damals war mein Onkel Silvio, ein waschechter Bündner, Kondukteur. Er trug eine solche rote Tasche und drehte an einer kleinen Kurbel, um das Ticket auszudrucken.

Modelleisenbahnen bekamen meine drei Brüder – ich leider nicht!

Nun führte uns der Weg zum nahegelegenen Kurhotel.

Bereits im Eingangsbereich fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt.

Wir bezogen unsere Zimmer. Meines lag im Dachstock und bot eine wunderschöne Aussicht über das Dorf und in die Berge.

Auf der Hotelterrasse genehmigte ich mir ein Bündner „Plättli“ und einen Prosecco.

Unser Tagesprogramm führte uns auf eine Wanderung hinauf zum Dorf Latsch.
Ich „latschte“ gemütlich bergauf, während meine sportliche Freundin eher zu fliegen schien.

Vor der Kirche lag noch Schnee. Am Dorfbrunnen tranken wir frisches Wasser.
Das Wetter war prächtig – für den nächsten Tag jedoch war Schnee angesagt. Dann waren wir allerdings schon wieder auf dem Heimweg.
Zurück im Hotel genoss meine Freundin Sauna und Massage im wunderschönen Wellnessbereich.

Ich streifte neugierig durch das Haus – unter anderem in die kleine Bibliothek.

Der traumhafte, hellblau gehaltene Speisesaal wurde für eine Hochzeit am nächsten Tag vorbereitet.

Ein perfekter Rahmen für Feste und Feiern.
Der blaue Himmel schien beinahe grenzenlos.

In der Abenddämmerung wärmte ich mich mit einem Glühwein auf.

Vor dem Eingang wurde an der kleinen Crêperie noch lange geplaudert.

Am anderen Morgen machten wir uns auf Entdeckungsreise durch das Dorf Bergün.

Man erkennt deutlich den architektonischen Einfluss des nahen Engadins.

Die Hauseingänge sind herrschaftlich.

Der Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert und war vermutlich Sitz eines Dienstmanns der Herrschaft Greifenstein. Vom ursprünglichen Bau sind noch drei Stockwerke sowie der alte Hocheingang erhalten.
Im frühen 17. Jahrhundert wurde das Gebäude zum Uhr- und Glockenturm umgebaut und erhielt ein barockes Haubendach.

Überall im Dorf erzählen kleine Details ihre Geschichten.
Warum gibt es zwei identische Türen als Eingang?
Neben der Sitzbank hängt ein kleiner Handbesen. Damit kann man im Winter den Schnee wegwischen, bevor man sich setzt.

Die Haustore lassen sich stufenweise Öffnen.

Auch die Sgraffiti erzählen Geschichten. Was hat es wohl mit der züngelnden Schlangendame auf sich?
Sgraffito – italienisch für „kratzen“ – ist eine historische Kunst- und Verzierungstechnik. Dabei werden Muster in feuchten Putz, Farbe oder Ton geritzt, sodass darunterliegende Kontrastschichten sichtbar werden. Besonders im Engadin prägt diese Technik die typischen zweifarbigen Fassadendekorationen.

Etwas fremd mutet dieser Dachschmuck an.

Typisch für viele Bündner Dörfer sind auch die Brunnen.

Man kann sich gut vorstellen, wie hier früher die Frauen wuschen – eine harte und mühsame Arbeit. Hier war auch der Informations-Hotspot für Tratsch und Klatsch.

Nun galt es Abschied zu nehmen. Wir kommen wieder!
Abschied, die Tür zur Zukunft.
Manfred Hinrich
Informationen
Kurhotel Bergün
Swiss Historic Hotels
Bahnmuseum Albula
Bahndorf Bergün
Krimispass Bergün
Blogbeiträge Graubünden
Scuol
Kulinarisches Engadin
Chur und Tomils
Musik
Meine Freundin spielt im Orchester Bratsche, Viola. Und sie hört sich im Blog immer die Musiklinks an. 🙂
Schubert: Ständchen for Viola and Piano
Brahms: Viola Sonata op.120 no.1
Max Bruch: Romance for Viola and Orchestra
Brahms: Trio for Viola, Cello & Piano in A Minor
Weber: Andante e Rondo Ungarese for Viola and Orchestra
Brahms: Two Songs for Voice, Viola, and Piano
Mani Matter: Ir Ysebahn
Reinhard Mey: Eisenbahnballade
Eisenbahnmusik aus Amerika
Buchtipp

Meine Freundin und ich strickten während der Bahnfahrt – sie einen Pullover für ihren Partner, ich eine Strickjacke für mich.
Deshalb stelle ich hier ein neues Strickbuch vor: “Landlust Stricken – Modelle, Techniken – Tipps.
Egal ob Wiedereinsteigerin oder erfahrener Stricker – “Landlust Stricken” bietet interessante Projekte für alle. Verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Angaben zu Schwierigkeitsgrad und Aufwand sowie praktische Tipps begleiten vom ersten Maschenanschlag bis zur Pflege des fertigen Stücks. Vom aufwendig gestrickten Pullover bis zum schnellen Stirnband – und sogar Dekoration für Ihr Zuhause.
Pullover: von klassisch bis modern, vielfältige Modelle für Damen, Herren und Kinder. Jacken: lang, kurz, bunt oder schlicht, für die warme und kalte Jahreszeit Accessoires: Mützen, Schals, Dreieckstücher und Handstulpen. Wohnaccessoires: gehäkelte Hängekörbe, ein gefilzter Mini-Teppich. Strickwissen und Tipps: Ideen zum Projektstart, Anleitungen umrechnen, von der Wolle zum Garn.
Eine Bahnfahrt ist also der perfekte Anlass, wieder einmal zu Stricknadeln und Wolle zu greifen.

Vielleicht beginnt man mit einem einfachen Dreiecktuch.

Oder man wagt sich gleich an eine kuschelige Jacke.
Zwei weitere Blogbeiträge zum Stricken:
Stricken und Kaiserschmarrn
Eva strickt.














Mary
So ein schöner Klunkerbeitrag, freue mich auf den nächsten Bericht.
Regula Schmidt
Wunderschöne Bilder, macht gluschtig hinzufahren. Bergün – Preda ist im Winter auch top zum Schlitteln. Das wäre dann meine Jugenderinnerung…..
Liebe Grüsse
Regula
Ritanna
Bergün ! Das ist für mich eine grosse Freude, stammte doch eine Kameradin in den 1960/61 Jahren aus Bergün. Sie war im Restaurant tätig, ich in der Küche in Davos, Pension Strela. Da lernte ich “Romantsch”. Wenige Brocken blieben mir noch.
Vielen Dank für lebendige Erinnerungen.
Kurt-Raymond Meier
Sehr schöner Beitrag. Hat richtig Lust gemacht die Region auch zu besuchen. Herzlichen Dank.
Irene
Was für ein grossartiger Artikel mit wunderschönen Fotos. Danke, dass ich auf dieser „Reise in die Vergangenheit“ dabei sein durfte. Ich freue mich schon auf den nächsten Klunker😉
Findus
Oh, ich liebe diesen Klunker und freu mich schon auf den nächsten!
Danke!
Susi Merz
Wunderbar! Das Nachtessen in der alten, rustikalen Küche des Kurhauses ist ein schönes Erlebnis, auch zu empfehlen!
Bin gespannt auf den nächsten Klunker!
Mach weiter so, ich lese den Blog sehr interessiert!
Proch
Oh diese Erinnerungen. Vor über 20 Jahren habe ich dort im alten Hotel logiert, mit dem Chor von Alice Beerli in der hübschen kleinen Kirche gesungen. Schön, dass du mich daran erinnerst. Danke
Gruss Katharina
Doris
Wunderbar Regula. Die Bahnfahrt habe ich schon einige Male gemacht. Nächstes mal werde ich in Bergün aussteigen und in dem wunderschönen nostalgischen Hotel übernachten. Deine Blogs machen mir immer eine ganz grosse Freude. Danke.
Susanne Mauerhofer
Vielen Dank, Regula. Ich kenne die Bahnstrecke gut, aber mache nie einen Halt in Bergün. Das muss sichändern!
Hildegard
Kompliment, liebe Regula! Da würde man am liebsten den Rucksack packen, die Wanderschuhe anziehn und zu den wunderschönen “Schellen-Ursli-Häusern” an die Sonne reisen. Gerade jetzt mit den vielen dunklen Tagen tut so eine Traumreise gut. Danke!
HerzGruss
Hildegard
Theresa
Liebe Regula
Du bist einfach eine Textkünstlerin und eine Fotokünstlerin! Das hätte ich nie so grossartig hinbekommen, obwohl ich ja auch dabei war.
Danke vielmals für die wunderschöne Musik, die du ausgewählt hast und überhaupt für diesen tollen März-Klunker. ❤️
Carmen
Liebe Regula
Das hat richtig Spass gemacht zu lesen (und zu sehen, tolle Bilder). Die Region war nicht so auf meinem Schirm – jetzt aber schon. Macht richtig Laune, sich in den Zug zu setzen, zu stricken und in Bergün anzukommen.
Margret Willen
Liebe Regula
Auch dieser Bericht ist toll! Ich kenne die Albulastrecke gut! Und im Bahnmuseum war ich auch mehrmals mit Kindern aus Zürich! Leider ist nach der Renovierung der Schaukasten im Eingangsbereich nicht mehr vorhanden! Dort waren verschiedene Dinge ausgestellt, die Bahnreisende im Zug vergessen hatten. Nebst gewöhnlichen Sachen, wie Mützen, Handschuhe, Skiern auch ein Holzbein und ein leerer Hamsterkäfig. Das gab jedes Mal grosses Grübeln und sehr interessante Überlegungen!
Das Hotel habe ich leider ( noch ) nicht gesehen!
Liebe Grüsse, und bis bald! Margret